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Literaturtage liefern wieder Konflikte

Wenn die Literaturtage wieder für Konflitkstoff sorgen, so tun sie das im besten Sinn. Konflikte sind nämlich das Thema der diesjährigen Austragung vom 15. bis 17. Mai.

Ob es eine Reminiszenz an die jüngere Vergangenheit ist? Das Motto der diesjährigen Solothurner Literaturtage jedenfalls lautet «Conflicts │ Conflitti │Conflits │Konflikt.Stoff». Wir erinnern uns: Vor knapp zwei Jahren trennten sich die damalige Geschäftsleiterin Bettina Spoerri und die Literaturtage zumindest im Unfrieden. Aber wir wollen an dieser Stelle nicht alte Wunden aufreissen, denn diese verheilen bestens: Der Vorstand und die neue Leiterin, Reina Gehrig, haben das zu schlingern drohende Schiff schnell und mit ruhiger Hand wieder auf Kurs gebracht.

Nein, Konflikte werden an den 37. Solothurner Literaturtagen dort ausgetragen, wo sie hingehören: zwischen Buchdeckeln. Seit je her hat Literatur Konflikte zur Sprache gebracht und erlebbar gemacht. Mit ihrer Arbeit zeigen Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt, welche inhaltlichen und sprachlichen Lösungen es für Konflikte gibt. In Podiumsdiskussionen, in denen sich literarische und ausserliterarische Perspektiven begegnen, wird das Titelthema vertieft. Am Freitag etwa treffen Autor Sherko Fatah, in Berlin lebender Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen, sowie Thomas Maier, Chefarzt bei den St. Gallischen Kantonalen Psychiatrischen Diensten und früherer Leiter des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer am Universitätsspital Zürich, aufeinander. Ihre Diskussion geht der Frage nach, inwiefern die Praxis des Erzählens über eine therapeutische Wirkung verfügt. Die Literaturtage stellen aber auch die Frage, wie die Meinungsfreiheit von Schriftstellerinnen und Schriftsteller geschützt werden kann.

Im Wahljahr 2018 stehen auch politische Akteure auf der literarischen Bühne. In einer politisch-literarischen Begegnung diskutieren acht Autorinnen und Autoren mit SP-Nationalrat Cédric Wermuth, wie politische Konflikte mit Mitteln der Literatur erfassbar, mittelbar und gestaltbar gemacht werden können. Auch Kulturminister Alain Berset wird sich nach Solothurn begeben. Er wird mit Autor Lukas Bärfuss darüber diskutieren, was Politik und Literatur verbindet und was sie trennt: Wie beeinflusst der Sprachgebrauch die Qualität von Debatten? Und wie verändert sich die Sprache im Zeitalter ihrer radikalen Verkürzung durch Twitter und SMS?

Schweizer Werkschau und Rettung der Reportage
Das Herzstück der Literaturtage ist und bleibt die Schweizer Werkschau. Und die Liste der Namen mit Neuerscheinungen fällt nicht zu knapp aus: Dieter Bachmann, Peter Bichsel, Ernst Burren, Martin R. Dean, Eugène, Lukas Hartmann, Hanna Johansen, Guy Krneta, Pedro Lenz, Pierre Lepori, Mariella Mehr, Noëlle Revaz, Ruth Schweikert, Flavio Steimann, Simona Ryser oder die Debütanten Werner Rohner, Regula Wenger, Bettina Wohlfender, Raluca Antonescu und Marco Fantuzzi.

Einem dieser Namen wird natürlich besondere Beachtung geschenkt: Immerhin feierte Peter Bichsel im März seinen 80. Geburtstag. Zu selbigem schenken ihm die Solothurner Literaturtage eine «carte blanche»: eine gemeinsame Lesung mit Ralf Rothmann, musikalisch-jazzig umrahmt von Raphael Urweider.

Ein besonderes Augenmerk richten die Literaturtage heuer auf eine Sparte des Journalismus‘: In der Diskussion «Wie retten wir die grosse Reportage?» will man eine aussterbende Form des Schreibens retten. Dieter Bachmann, Chefredaktor der Kulturzeitschrift «Du» und der französische Autor Jean Rolin werden sich dem Thema annehmen. Ob allerdings angesichts der sich akzentuierenden Paradigmen- bzw. Generationenwechsel im Journalismus ein 75-jähriger Kulturredaktor und ein 66-jähriger Reiseautor die richtigen für eine solche Debatte sind, bleibe dahingestellt...

Solothurner Literaturtage; vom 15.-17. Mai 2015. Mehr zum reichhaltigen Programm der 37. Literaturtage online hier.
 

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