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Polo-Hofer-Duell

Muss man Polo National unbedigt gesehen haben? Der Habitué findet: Nein. Die Novizin findet: Ja.

Über Polo National und Patrick Regional

Dominique Niklaus

Polo's Hüttengaudi

Marcel Frey

Polo Hofer. Ein streitbarer Gast steht am Samstagabend auf der grossen Kofmehlbühne. Denn zu Polo National hat jeder eine Meinung, so auch ich. Ich mag seine Musik einfach nicht. Sobald Marcel eine Schallplatte von Polo auflegen möchte, rümpfe ich die Nase und verlasse diskret den Raum. Umso erstaunter war Marcel, als ich grosses Interesse am Konzert von Polo im «Kofmehl» bekundete. Darf man Polo schauen gehen, ohne seine Musik zu mögen? Ja, und ich würde sogar meinen, man muss. Denn Polo Hofer und seine Lieder sind Schweizerisches Kulturgut, und um sich ein abschliessendes Urteil über den National-Helden überhaupt erlauben zu können, sollte man diesen Mann zumindest einmal live gesehen haben. Und ich bin mehr als überrascht über den gelungenen und überaus witzigen Auftritt.

Polo lässt seiner Band wie ein Gentleman den Vortritt, bevor er nach deren Intro selbst auf die Bühne kommt. Er holt sich mit einem «Ich bin nicht Mick Jagger, ich kann nicht so rumhüpfen wegen eines Rippenbruchs» kollektives Mitleid und Gelächter ab. Auf das Stichwort Rolling Stones reagiert ein Zuschauer in der ersten Reihe: Patrick. Er ist wohl der einzige Zuschauer in der ausverkauften Halle, der schon im Vorfeld jedem aufgefallen ist. Direkt vor Polo, tanzt, hüpft und singt er lautstark mit. Wer Patrick nicht kennt: Er gehört zu Solothurner Musikszene, wie kein Anderer. Mental ist der Mitt-Vierziger irgendwo im Teenager-Alter stecken geblieben und er zeigt gerne seine kindliche Freude über Musik. Regelmässig sehe ich ihn an Konzerten, und dann steht er immer in der ersten Reihe. Bei den Solothurner Musikern ist er bekannt, allen voran bei Krokus, Chris von Rohr hat Patrick sogar in seinem Buch verewigt. Nun steht Patrick also vor Polo. Er sei ein Rolling Stone gewesen, rezitiert Polo den Zuruf von Patrick. «Der hat aber weniger Werbefläche als du», entgegnet Polo belustigt und zeigt auf Patricks Glatze, worauf die ganze Halle lacht. Patrick dreht sich stolz zum Publikum, schaut, ob das auch wirklich jeder mitbekommen hat.

Es ist charmant, wie Polo Patrick mit einbezieht, im Verlauf des Abends wendet er sich noch einige  Male direkt an ihn, Polo’s lockerer Umgang mit dem vermeintlichen Störenfried hat etwas Unbekümmertes. Polo ist sichtlich gut gelaunt und die Stimmung im Kofmehl ist grossartig, sei es bei den Kassenschlagern, den neuen Liedern oder den Polo Stand-Up-Comedy-Intermezzi.

Wie bereits erwähnt, ich bin nicht der grösste Fan von Polo's Musik und das ist auch so geblieben. Aber nach dem souveränen Auftritt bin ich ein grosser Fan von Polo.

Wenn Polo ruft, dann strömen sie von den Bergen runter. Das «Kofmehl» war letzten Samstag ausverkauft, von überall kamen sie her; aus dem Oberaargau genauso wie aus dem Baselland.

Eigentlich gibt es ja genügend Gründe einen Bogen um Polo's Abschiedstour zu machen. Einen wirklichen Drang ihn zu sehen verspüre ich nicht, denn eine zeitlang war Polo allgegenwärtig und spielte an fast jeder Hundsverlochete. So habe ich schon etliche Polo-Konzerte gesehen, von grottig schlecht (Anfang der 90er-Jahre, Froburg Wiedlisbach) bis herausragend (die letzten Konzerte mit der Schmetterband in der Mühle Hunziken). Und trotzdem befinde ich mich am Samstag unter den Konzertgängern, weil ausgerechnet Dominique unbedingt hin wollte. Sie, welche rummotzt, sobald ich zuhause eine Schallplatte von Polo hören möchte. Das macht den Abend erst richtig spannend, ich kann mir ihr vorgeheucheltes Interesse einfach nicht erklären.

Polo startet den Abend gleich mit «Stüel ewäg». Wer seine Hits schon am Anfang spielen kann, braucht sich nichts mehr zu beweisen. Andere würden solche Lieder erst in der Zugabe spielen, Polo holt aber sein Publikum dort ab, wo es steht. Er braucht sich nicht an ungeschriebene Konventionen zu halten. Polo macht genau das, auf was er Lust hat. Das mag zwar einige Zuschauer enttäuschen, weil er Lieder wie Kiosk oder Giggerig nicht spielt. Aber wie er selber schön sagte: «Wenn ich alle meine veröffentlichten Lieder spielen würde, dann wären wir in zwei Tagen noch hier.» Er spannt den musikalischen Bogen über alte Hits zu neuen Liedern, die im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Bluesrock, Gospel und Reggaetöne – Polo und «Die Band» zeigen sich polyvalent. Ein besonderer Moment ist, als «Die Band» ohne Polo eine wegschmelzende Version von «Purple Rain» (Prince) zum Besten gibt.

Gitarrist Mario Capitano wie auch der Rest der Band sind allesamt gestandene Musiker, das kommt besonders ohne Polo zum Ausdruck. Mir gefallen speziell die alten, langsamen Hits wie «s'letsche Tram» und «s'Meitschi vo Wyssebühl» während «Alperose» und Konsorten mich zu stark an ein Hüttengaudi erinnern, auch weil das Publikum eifrig mitgröhlt und -schunkelt. Und genau das überrascht mich, dass Polo Hofer trotz seiner linken Gesinnung mit seinen Liedern über den Alltag eine breite Masse erreicht, Menschen, die sonst das Gras nicht auf der gleichen Bühne haben wie er.

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