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Heather-Nova-Duell

Erinnerungen und Entdeckungen am gleichen Konzert.

 

Ein Wiedersehen

Dominique Niklaus

Der letzte der lebenden Engel

Marcel Frey

«Heather Nova im Kofmehl», bei dieser Konzertansage läuft bei mir gleich ein innerer Film ab: Gut zwanzig Jahre ist es her, als ich Heather zum ersten Mal live gesehen habe. Damals, am Open Air Gampel, war sie mir noch völlig unbekannt. Mit ihren rockigen Balladen traf sie mich mitten ins Herz. Grosse Emotionen löste ihre Musik in mir aus, keine besang schöner und authentischer die Sehnsüch-te, Hoffnungen und auch das Leid, die man anfangs 20 durchlebt. Flugs kaufte ich ihre CD «Oyster», die fortan zum Soundtrack meines Lebens gehörte. Es gab kaum ein Lied, dass ich nicht auswendig mitsingen konnte. Und keine Musik war besser, um sich gnadenlos im Elend zu suhlen. Irgendwann geriet sie jedoch in Vergessenheit, ihre Musik wurde mir zu poppig, zu experimentell. Mit dem Lied «Someone New» mit Eskobar 2002 tauchte sie kurz auf meinem Radar auf, um sogleich wieder zu verschwinden. Jetzt habe ich aus gegebenem Anlass die verstaubten CDs wieder raus gekramt. Und bäm. Beim Lied «Island» schiessen mir Tränen in die Augen, bin wiederum zutiefst gerührt. Umso nervöser bin ich vor dem Konzert. Mit Heather habe ich gelitten, gehofft, geträumt und geweint. Ein Wiedersehen nach 20 Jahren, wie wird das wohl werden? Doch meine Zweifel sind unbegründet, Hea-ther Nova bezaubert an diesem Abend mit alten wie auch neuen Liedern. Spielt querbeet durch alle Schaffensphasen, begleitet vom Multiinstrumentalisten Arnulf Lindner. Es ist weitaus weniger rockig als damals in Gampel, aber nicht weniger berührend. Auf Hits wie «Walk this World» und «London Rain» wartet man zwar vergeblich, einzig den Überhit «Someone New» spielt sie in einer ruhigeren Version. Dafür lädt sie Gavin James, der im Vorprogramm spielte, ein um gemeinsam «Like Lovers Do» zu singen. Und als Zückerchen spielt sie gar das neue Lied «The Archaeologist» zum ersten Mal überhaupt live. Bei «Island» ist es wiederum um mich geschehen. Danke, Heather, für diese wunder-bare Musik. Du verzauberst mich nach wie vor. Mit Heather Nova kehrt eine weitere Heldin vergangener Zeiten auf die Konzertbühnen zurück. Mitte der Neunziger Jahre war sie vor allem bei der Generation «Reality Bites» angesagt, ging dann aber irgendwann im kollektiven Musikbewusstsein vergessen. Mehr als einen Bericht in einem einschlägigen Musikmagazin habe ich damals jedoch nicht von ihr mitbekommen. 
Jetzt gibt sie ihr erstes von mehreren Schweizer Konzerten im Kofmehl. Heather Nova ist auf Akustik-Tour, deshalb ist die grosse Halle auf Club getrimmt. Mit Vorhängen, die den Raum verkleinern, der geschlossenen Estrade und Clubtischen mit Kerzen entsteht so, trotz der nur etwa 300 Besucher, eine Atmosphäre eines ausverkauften Clubkonzertes.  Die Besucher sind ab 35 aufwärts, wer jünger ist, hat wohl ältere Geschwister über die sie Heather Nova kennengelernt haben.
Vor dem Konzert ist mir der Hinweis auf der Leinwand aufgefallen, dass Heather Nova nach dem Auftritt CDs signieren würde und man das Konzert am nächsten Tag auf der Website downloaden kann.  Sie macht also bei diesen neumodischen Trends mit. Es scheint, als wäre dieses gezielte Marketing die einzige Möglichkeit für Künstler ihre Musik noch zu verkaufen.
Ich studiere den sportlichen Tour-Plan.  Insgesamt spielt sie 37 Konzerte. Nach dem Auftritt in Solothurn spielt sie in München. Dann folgen mehrerer  Daten in der Schweiz, meist in grösseren Konzerthallen wie im Nordportal in Baden oder im Kammgarn in Schaffhausen. Angesicht der eher geringen Anzahl Zuschauer im Kofmehl habe ich meine Zweifel, dass es an diesen Konzerten mehr Zuschauer haben wird und dass es dort überhaupt möglich ist, für ein Konzert dieser Grösse eine gute Atmosphäre hin zu bekommen. Wahrscheinlich wären kleinere Säle geeigneter gewesen, um Heather und ihrer Musik gerecht zu werden. Und weil MC Anliker gleich hinter uns steht, denke ich spontan ans Café Mokka in Thun.
Das Konzert ist besser als befürchtet,  vor allem wegen dem Cellisten, der sie begleitet. Dieser sucht Kontakt mit dem Publikum, macht charmante Witze und überbrückt technische Pausen mit pseudophilosophischen Gedankengängen. Heather Nova braucht etwas länger um mit dem Publikum warm zu werden. Aber sie sieht zauberhaft aus, strahlt wie ein vergessener Star. Ihr Gesang ist wunderbar unverwechselbar, auf CD empfand ich dies noch als Gejammer.
Schön fand ich die Äusserung eines Rockers, der draussen rauchte: «Sie ist einer der letzten lebenden Engel.»

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