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«Yentl»-Duell

Reiseerinnerungen, Neugier und falsche Erwartungen haben die Blogger Dominique Niklaus und Marcel Frey in die Reformierte Kirche Langendorf geführt. «Yentl» erwartete die Beiden.

Sonntags in der Kirche

Dominique Niklaus

It's Jimmy Fallon's Fault

Marcel Frey

Draussen vor der Tür ist es kalt und es dämmert schon, an diesem jungen Sonntagabend. Eigentlich ein perfektes Sofasurfen-Wetter. Ein bisschen vor sich hindösen, einmummeln in die warme Decke und das Kommando der Fernbedienung überlassen… Jäh werde ich aus meinen schläfrigen Tagträumen gerissen, denn ich muss diese kuschlige Wärme verlassen um in die reformierte Kirche in Langendorf zu pilgern. Auf dem Programm steht aber keine heilige Messe, sondern eine musikalisch inszenierte Lesung. Yentl, die Geschichte eines jüdischen Mädchens aus Osteuropa im Jahre 1904, welche sich als Junge verkleidet um studieren zu können und dann in einer verworrenen Liebesgeschichte landet. Die Geschichte erlangte durch die Verfilmung von und mit Barbra Streisand Weltberühmtheit, die Filmmusik erhielt 1983 gar einen Oscar.

Oje, denk ich mir, erinnere mich vage an eben dieses musikalische Oeuvre, welches mich davon abhielt, den Film anzuschauen. Gewiss, Barbra Streisand ist eine herausragende Sängerin, keine Frage. Aber diese erzählerischen Lieder, in die alle Emotionen dieser Welt verpackt werden, hör oder sehe ich mir normalerweise nicht freiwillig an. Und so hock ich auch an diesem Sonntag eher unfreiwillig in den Kirchenrängen, denn es war Marcel, der diese Lesung unbedingt sehen wollte. (Und dabei grandios überlesen hat, dass es musikalisch untermalt wird.)

Ich befürchte also, dass diese zwei Stunden in der Kirche nie enden werden wollen. Aber da hab ich die Rechnung ohne den Wirt, pardon, die Sängerin gemacht. Tanja Baumberger als Yentl/Anshel überstrahlt mit ihrer Präsenz und Gesang den kargen Raum, sie wird von Klavier, Violine und Violoncello begleitet. Kurzweilig ist der Abend und es wird klar, wieso diese Geschichte damals so erfolgreich war. Sie spricht ohne Pathos die bedrückenden Probleme jener Zeit an, verflechtet mit Witz grosse Themen wie Emanzipation, Religion und Tradition. Ob der erzählerischen Leistung oder dem wundervollen Gesang - ich bin begeistert von dieser so schlichten aber dennoch intensiven Darbietung. Und ziehe meine Lehre daraus, dass das was manchmal auf der Affiche langweilig und dröge erscheint, sich als erhellender Moment des Wochenendes entpuppen kann.  

Wie es dazu kam: Zuerst standen wir in San Francisco im Hotel, wo Barbra Streisand einst in «Is' was Doc» spielte. Dann war Streisand zu Gast in der Jimmy Fallon Show und blieb durch diesen Auftritt bei mir in zweifelhafter Erinnerung, da selbst diese Grande Dame sich mittlerweile unters Messer legt. Scheinbar muss man in Hollywood ab einem gewissen Alter «schönheits-geopst» sein, weil es sonst paradoxerweise neben anderen gelifteten Damen unnatürlich wirkt. Als beim Blogger-Treffen eine Lesung zu Yentl, bekannt als Film eben mit La Streisand, als zu besuchende Veranstaltung zur Auswahl stand, meldete ich mich mit Dominique zum Duell.

Und schon sind wir auf dem Weg mit dem Bus in die reformierte Kirche Langendorf, wo Tanja Baumberger die Geschichte dieser Yentl zusammen mit Musikern vortragen würde.

Alleine die Kirche ist das Kommen wert. Architektonisch wirkt sie wie eine Kulisse eines Science –Fiction- Films aus den Siebzigern Jahren à la Buck Rogers, Flucht ins 23. Jahrhundert.

Das Publikum ist eher gesetzteren Alters, der Anteil an Brillenträger markant. Die Bänke (remember Kirche) sind gut gefüllt, ich schätze rund 150 Personen. Man kennt sich und aus den Gesprächen schliesse ich, dass man auch die Geschichte von Yentl bereits kennt. Die handelt von einer jungen Frau, welche sich im jüdischen Milieu im Osten Europas den Wunsch nach einem Studium erfüllt. Dazu gibt sie sich als Mann aus, was zu Irrungen und Wirrungen führt. Es erinnert mich an die Lustspiele von Jörg Schneider und Paul Bühlmann aus den Achtzigern Jahren.

Tanja Baumberger liest die Geschichte gekonnt vor und singt die durch Barbra Streisand berühmt gewordenen Songs teilweise begleitet von Klavier, Geige und Cello. Ich bin beeindruckt, denn es erfordert grossen Mut sich an Lieder von Barbra Streisand heranzuwagen. Es kann ganz schnell peinlich werden. Aber Tanja Baumberger ist selber ausgebildete Sängerin und Musical-Darstellerin und steht der Streisand hier in nichts nach.

 
Weitere Daten: Sa, 15. November, 20 Uhr, Bachtelen (Girardsaal), Grenchen. So, 14. Dezember, 18 Uhr, Kirche, Mühledorf. Sa, 20. Dezember, 20 Uhr, Rudolf-Steiner-Schule (Musiksaal), Solothurn. Infos unter: www.fe-mail.ch

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