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Grant-Lee Phillips - ein Duell mit verdrehten Perspektiven

Die beiden Blogger Marcel Frey und Mirco Koch könnten wohl stundenlang zusammen über Musik diskutieren. Die perfekten Partner also für ein Duell. Die Beiden erzählen, wie sie das Konzert von Grant-Lee Phillips erlebt haben - sozusagen aus der Sicht des Anderen.

 
 

Musik für 50+ - aber sicher doch Marcel!

Mirco Koch

Mirco ist das sicher völlig egal - oder?

Marcel Frey

Wahrscheinlich denkst du dir, lieber Marcel, als 50-Jähriger könne man nur noch dank Künstlern wie Grant-Lee anständige Musik hören. Da hast du recht: Wenn ich mir heute Nirvana anhöre, dann höchstens noch ihr Unplugged Album New York. Nevermind von 1991 ist mir zu hart. Auch Grant-Lee Phillips war mit seiner Band heftig und rau, damals.

Heute steht der Kalifornier solo mit seiner akustischen Gibson auf der Bühne. Warmer Klang und variantenreiches, intelligentes Gitarrenpicking. Seine Songs rühren zum Weinen und lassen die Nackenhaare Purzelbäume schlagen. Definitiv keine Lagerfeuerromantik. Ja – Marcel! Es ist mir nicht entgangen. Grant-Lee spielt leidenschaftlich und intensiv. Dazu singt er prächtige Melodien. Und – obwohl solo: In seinen Songs hört man die besseren Bands. Du würdest wahrscheinlich Pearl Jam oder Bob Mould erwähnen. Mir zu liebe vielleicht auch Teenage Fanclub, Eskobar oder Neil Young. Sicher aber «Grant Lee Buffalo».

Du kannst aus dem Vollen schöpfen, wenn du von Grant-Lee schwärmst. «Grant Lee Buffalo», damals als Band unterwegs, hast du als 18-Jähriger aus nächster Nähe und mit ihrer ganzen Kraft mitbekommen. Du würdest «Lone Star Song» und «Fuzzy» erwähnen, mit denen sie 1994 am Start waren. Ich war 94 junger Vater und hörte damals mehr so familienverträglich. An mir schrammte Grant-Lee knapp vorbei.

Ja – Marcel! Ich habe es auch gehört: Die Musik habe therapeutische Wirkung, sagte Grant-Lee in einer Ansage im Gewölbekeller. Und wie recht er hat. Das macht Mut. Es gibt sie also, die Musik, die auch für 50+ funktioniert und trotzdem innovativ, rebellisch, kantig, zeitgemäss und doch verträglich ist. Du kannst dich also getrost zurücklehnen und gemütlich älter werden. Musiker wir Grant-Lee werden dich über alle Zeiten und Stile retten.
Übrigens: Grant-Lee hat Jahrgang 1963

Grant-Lee Phillips im Duell mit Mirco. Und Mirco hatte die Idee, eine Kritik aus der Sicht des Anderen zu schreiben. Die Musik des Anderen quasi.
Mirco hat ja selber eine Band «Cosmonoz», bei der es höchste Eisenbahn ist, dass sie mal wieder Konzerte spielt. Daher schaute er Grant-Lee beim Gitarren spielen auf die Finger, und tat seine Begeisterung kund. Mich selber dünkte es, Grant-Lee spielte an diesem Abend, was ihm gerade in den Sinn kam - ohne sich an eine Setliste zu halten. Mirco waren, glaube ich, solche Sachen eher egal. Ich fragte mehrfach nach, wie er das Konzert findet. Die Antwort war immer «toll» und «super» und dass nicht nur das übliche «Acoustic Nights»-Stammpublikum hier sei. Hilft mir nicht viel dabei, seine Sichtweise zu analysieren.

Ich glaub nicht, dass Mirco so ein grosser Seriengucker ist. Ich hingegen war von Beginn weg ein grosser Fan der Gilmore Girls.  Aber entdeckt habe ich Grant-Lee schon vorher mit «Mobilize» aus dem Jahr 2002. Grant Lee ging im Alten Spital gekonnt mit der Erwartungshaltung des Publikums um, spielte auch seine grossen Hits aus der Zeit von Grant Lee Buffalo und bot ein tolles Konzert.
Mich langweilen «Mann mit Gitarre»-Konzerte schnell einmal. Aber Grant-Lees Stimme finde ich Hammer. Habe ich Mirco eigentlich gesagt, dass ich die Stimme toll finde? Keine Ahnung.

Ich hatte auch Booklets dabei, die Grant Lee mir signierte, ich glaube, auch solche Sachen sind Mirco dann eher weniger wichtig. Oli, Mircos Bandkollege, zeigte dann begeistert auf das Booklet von «Fuzzy» welche Grant Lee Anfang der 90iger bekannt gemacht hatte. Zumindest er wusste also, wen wir da genau schauten. Bei Mirco hatte ich eher das Gefühl, dass ich ihm dieses Duell aufgeschwatzt hatte. Aber gefreut hatte es mich doch. Wenn ich während des Konzertes zu Mirco rüber geschaut habe, sah ich immer mal wieder der Blick des Musikers, der auf die Technik des anderen Musikers schaut.

Bei der Nachbesprechung beurteilten wir beide den Abend als sehr gelungen - und ich war etwas neidisch auf Mirco, der am nächsten Tag nicht arbeiten musste.

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