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Duell im Hochmoor

Zum Saisonabschluss der «Acoustic Nights» präsentierten Eva Gauch und Chris Rölli Musik aus Schottland und Irland. Nicht jedermanns Sache, denkt man dabei an Dudelsäcke und Gefidel. Die zmitz-Blogger Mirjam Staudenmann und Fabian Gressly habens sich (trotzdem) angehört.

Ein Duke kommt selten allein

Fabian Gressly 

Weite Bögen um die Dudelsäcke

Mirjam Staudenmann 

1483 verlieh der englische König Richard III. dem königlichen Schatzmeister John Howard den Titel Duke of Norfolk, den die Familie seither führt. Der aktuelle Duke of Norfolk, der 17., ist der 60-Jährige Edward Fitzalan-Howard. Was Adam Howard damit zu tun hat..? Nichts. Adam wurde in den USA, genauer in Oklahoma, geboren, lebte in Arkansas und seit lebt aber in Schottland – in Edinburgh. Und während die Wahl seines Künstlernamens und der gleiche Nachname zum echten Duke wohl allerlei Unruhe stiften, tut das seine Musik mitnichten.

Beim Auftritt im Alten Spital zeigte er: Er ist eher ein Freund der leisen Töne. Derzeit tourt Adam Howard mit seiner EP «Three Days from the Wolf Month» herum. Vornehmlich auf der Insel, am Donnerstag aber auch in Solothurn (von dem er übrigens feststellte: «What an exceptionally lovely place you have here…»). Allein mit Gitarre und Pauke, ab und zu begleitet durch Alex Maxwell auf der Klarinette (zum Glück nicht zu oft, denn er war am Donnerstag mindestens nicht in Hochform), spielte sich Howard durch eine Stunde. Manchmal leichtfüssig, manchmal schwer und langsam. Mit Folk, Bluegrass, Gitarrenakkorden und dezenten Paukenschlägen fing der Neo-Schotte die Landschaft, die sowohl sanft als auch rau, aber immer archaisch ist, bestens ein. Man flog, getragen von Howards Musik, förmlich über die Highlands. Howard sang schwere, melancholische Texte, introvertierte und symbolträchtig. Von Liebe, Sehnsucht und Reisen, klang dabei ab und zu nach den «Lumineers». Schwerfällig wurde das Konzert aber nie, nicht zuletzt dank Adam Howards Geschichten zwischen den Stücken. Er sei das erste Mal in der Schweiz gewesen (also auch das erste Mal in Solothurn), liess er uns wissen. Und so dachten wohl alle gut 100 Besucherinnen und Besucher, als der Duke of Norfolk uns fragte, ob wir uns wohl den Nebel im nächsten Stück vorstellen könnten: „Hey, wir sind hier in Solothurn. Wir haben mehr Nebel als ihr!»

In der Tradition der Musik der Insel(n) gleich, aber musikalisch ursprünglicher waren «Ye Vagabonds», Brían und Diarmuid Mac Gloinn aus Dublin. Sie hätten sonst viel mehr Instrumente mit, meinten sie während des Konzerts einmal, mussten sich im Gewölbekeller aber mit Mandoline bzw. Bouzouki (dem griechischen Pendant), Ukulele und Gitarre behelfen. «Reduce to the max», würde dem ein Solothurner Alt-Rocker sagen. Ihr makelloser Gesang und die perfekt beherrschten (mit einer kleinen Ausnahme) Instrumente bildeten unter dem steinernen Gewölbe eine unglaubliche, sonore Einheit. Zwei Mal für Zugaben herausgeklatscht, wollten die Gebrüder Mac Gloinn dann kaum mehr aus freien Stücken von der Bühne und konnten grad noch mit tiefem Kramen im Repertoire einen traditionell Irisches Stück einem US-Amerikanischen Traditional vorziehen…

Acoustic Nights im Alten Spital mit «The Duke of Norfolk» aus Schottland und «Ye Vagabonds» aus Irland. Die Vorurteile keimten automatisch in mir auf: Sobald Musik irisch-schottisches Liedergut verspricht, stellt es mir die gleichen Nackenhaare, die es mir auch beim Gedanken an Dixieland-Jazz stellt. Wenn ich an den Abend dachte, sah ich vor mir ein paar bärtige Schotten im Rock – mit oder ohne Unterwäsche –, wurde innerlich umhüllt mit irischem Nebel und dazu passendem Regenschauer und: hörte den Dudelsack... ab diesem Zeitpunkt ist es passiert – dann sehe ich mich am schlimmsten Anlass meines Lebens in strömendem Regen sitzen und warten bis die Qualen ein Ende nehmen würden: Am Tattoo in Basel.

Adam Howard aka «The Duke» war dann zumindest schon mal nicht bärtig. Chris Rölli kündigte ihn als Amerikaner an und ergänzte sogleich, dass am Abend ein Bogen um die Dudelsäcke gemacht wird. Der Duke fing zu spielen an und ich hatte plötzlich das Gefühl, ich hätte bisher wohl vor lauter Dudelsack die Musik hinter den schottischen Bärten nicht gehört: Melodische Geschichten, erzählt mit der Gitarre und einer Stimme, die mich in Ansätzen an Damien Rice erinnerte. Dabei rhythmische Unterstützung durch eine Pauke, die er während des Gitarrenspiels zum Trommeln brachte. Auf der Bühne wurde der Duke durch ein anderes Blasinstrument als den Dudelsack unterstützt: Die Klarinette, gespielt von Alex Maxwell. Eine ungewohnte aber passende Ergänzung. Wenn dann die beiden zusammen sangen, sah ich das Pferd über den Torf galoppieren. Aber in diesem Schottland, das nicht mit Pubs und Whiskey locken muss. Sondern in diesem unaufgeregten Land mit sanften Hügeln und plötzlich wieder schroffen Klippen. Echt fühlte sich diese Musik an. Ungekünstelt.

Auf «Ye Vagabonds» war ich dann umso mehr gespannt. Hatte ich doch im Vorfeld auf ihrer Website gelesen, dass sie im Vorprogramm eines von ihnen begeisterten Glen Hansard gespielt hatten. Sie betraten die Bühne mit einer Mandoline und einer Bouzouki und erfüllten den Gewölbekeller mit Folk. Das Publikum zeigte sich begeistert und obwohl ich diese Begeisterung musikalisch und vor allem auch gesanglich teilen konnte, waren mir die typisch irischen Klänge zu viel, die Mandoline zu dominant. Die Musik war nicht wie beim Duke reduziert, sondern viel mehr irischer Folk at it’s best. Einfach nicht für mich.

Mandolinen und Dudelsäcke können mir es noch immer nicht antun. Aber die Musik dahinter, die Essenz, die ist wunderbar. Den Künstlern gebührt Respekt. Mein einzig wirklicher Kritikpunkt: «Ye Vagabonds» waren nicht mehr von der Bühne zu kriegen. Das war zwar irgendwie lustig und ganz sicher im Sinne des Publikums. Ich empfand es aber gegenüber dem Duke, der als erster auf der Bühne stand und seinerseits «Ye Vagabonds» gross ankündigte, als unschön. 

The Duke of Norfolk auf Youtube und auf seiner Website
Ye Vagabonds auf Youtube und auf ihrer Website

 

 

 

 

 

 

 

 

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