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«L'Amouuuuuuurrrr!»*

Damals, als es noch keine Kinos gab, gabs Oper. Nun gibts Kinos. Opern aber immer noch. Grosse Oper sogar – also quasi «grosses Kino». Und praktischerweise erst noch ganz in der Nähe...


Foto: Royal Opera House London, Bill Cooper

* Der Titel gibt mir das Gefühl, ein Kenner zu sein. Für alle anderen: hier ab Sekunde 22:35 (Youtube, übrigens mit Hintergrundinfos zur Inszenierung)

«Carmen» ist eine der grossen Opern. Georges Bizets Werk, das 1875 in Paris uraufgeführt wurde, vereint vieles, was in Opern eine Bedeutung hat: Liebe, Eifersucht, Macht… Carmen gilt als femme fatale schlechthin. Die Oper zu sehen, ist wohl etwas, das man im Bereich der aufgeführten Musik erlebt haben muss. Das dann noch in einer gefeierten Inszenierung im Royal Opera House in London, macht es zu einem echten Opern-Erlebnis. Nur gut, spart man sich die Kosten für den Flug, für eine Hotelübernachtung und den Eintritt in die Oper im Covent Garden. Hunderte Franken müsste man hinblättern…

Denn das ganze Erlebnis gibts auch für 30 Franken gleich um die Ecke. Im Kino Capitol in Solothurn werden einige der Aufführungen des ROH übertragen. Geleitet von Jakub Hrusa (Dirigent) und Barrie Kosky (Regie), der die Oper so bereits in Frankfurt inszenierte. In der Titelrolle Anna Goryachova, die bis letzte Saison am Opernhaus Zürich sang. All diese grossen Namen versprechen Spektakel. Und das erlebt man auch inmitten von alten Solothurner Bekannten. Vorteil an der Kino-Version: Der Gesang, den ich in Opern ohnehin schwerlich verstehe und der hier durch italienische und osteuropäische Akzente zusätzlich verfälscht wird, ist untertitelt. Man kann also den Dialog mitlesen. Man muss sich auch nicht gross in Schale werfen (auch wenn mans aus Respekt zur Oper dann doch irgendwie tut). Und vermutlich sind auch die Sitze bequemer. Und doch… Im Theater oder der Oper erlebe ich jeweils diesen einen Moment, in welchem mich die Aufführung umgibt. In dem ich in sie eintauche. Der fehlt ein bisschen, denn letztlich ist es Kino. (Wobei meine Begleitung fand, sie sei durchaus eingetaucht.) Für mich ist es Oper am Bildschirm – wie auf 3sat. Und so entstehen zuweilen Längen in einem ohnehin langen Abend. Denn Vorberichterstattung und Interviews liefern zwar spannendes Hintergrundwissen – gerade für Novizen wie mich, die sich vorher nur kurz den Wikipedia-Eintrag reingezogen haben. Aber sie machen das Ganze eben auch eine knappe Stunde länger. Und ich kann, weil ich von der Kameraführung abhängig bin, nicht tun, was ich in Theatern und Opern sonst gern tue: dem folgen, was am Rand der eigentlichen Handlung passiert. Was jene Darsteller tun, die (natürlich vermeintlich) grad nichts tun müssen.

Oper im Kino ist eben nicht Oper im Saal. Und doch… Die Alternative wäre wohl gar keine Oper. Und schon gar nicht eine so brillant inszenierte, eindrücklich gesungene, wie jene des Royal Opera Houses. Von daher überlege ich mir schon, ob der «Schwanensee» am 12. Juni wieder einen Besuch wert wäre.

Das komplette Programm der Oper-Übertragungen im Capitol gibt’s hier (pdf), ausserdem werden auch Konzerte der Berliner Philharmonie live übertragen. Deren Programm gibt’s hier (pdf)

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