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Eine Frage der Kultur: Kurt Fluri

Am 2. Juli wählt Solothurn sein neues Oberhaupt. Entweder den bisherigen Stadtpräsidenten Kurt Fluri (FDP) oder die gegen ihn antretende Franziska Roth (SP). zmitz hat sich gefragt, wie die beiden so kulturell ticken. Hier die Antworten von Kurt Fluri (jene von Franziska Roth gibt’s hier).

 

Das Stadttheater ist saniert, der Kulturgüterschutzraum des Kunstmuseums gebaut, das Naturmuseum den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Ist nun bei den Kulturinvestitionen bis auf weiteres alles erledigt?
Investitionen in unsere Kulturinstitutionen werden auch künftig nötig sein. Abgesehen vom ordentlichen Unterhalt fehlt beispielsweise dem Naturmuseum ein zweckmässiger Kulturgüterschutzraum. Beim Kunstmuseum wird demnächst die Sanierung der Gebäudehülle anstehen, da die Klimawerte der Ausstellungssäle seit langem nicht mehr dem heute geforderten Standard entsprechen. Und schliesslich fehlt ein schrankenfreier Zugang zum Museum Blumenstein. An sich stünde auch die Aufstockung der Zentralbibliothek an, welches ein gemeinsames Projekt mit dem Kanton sein wird. Von der Grössenordnung her wird allerdings dieses Vorhaben noch einige Zeit nicht realisierbar bleiben.

Solothurn bezeichnet sich als Kulturstadt und wird als solche wahrgenommen. Sie beheimatet aber kulturelle Veranstaltungen lediglich und steht zwar auch punktuell hinter diesen. Aber an sich, kulturpolitisch, hält sich die Stadt zurück. Sollte sie nicht klarer für diese Institutionen und das Kulturleben einstehen?
Solothurn wird zu Recht als Kulturstadt wahrgenommen. So tätigten wir im Jahre 2014 – dem letzten verfügbaren Jahr mit Vergleichszahlen – mit über Fr. 2‘000.- Kulturausgaben pro Kopf die grössten Investitionen aller Schweizer Städte. Auch bei den laufenden Ausgaben bewegen wir uns seit langem in einer Spitzengruppe der Schweizer Städte. Das ist an sich bereits Tatbeweis genug für unser kulturpolitisches Engagement. Im Übrigen wollen wir den Kulturschaffenden genügend Freiraum lassen und meiden eine von oben herab verabreichte Kulturpolitik. Dies bedeutet keine Geringschätzung der Kultur, sondern im Gegenteil die Würdigung ihrer grossen Bedeutung für unsere Stadt.

Ganz konkret gefragt: Braucht die Stadt nicht eine eigentliche Stelle im Kulturbereich, wie sie jetzt auch in Olten gefordert wird? Oder ein Leitbild auf politischer Ebene? Kann man es sich leisten, als Kulturstadt so etwas nicht zu haben?
Die Kultur darf nicht geführt werden, schon gar nicht nach politischen oder administrativen Kriterien! Die Museen, das Stadttheater, die privaten Museen und Galerien müssen aus ihrer spezifischen Ausgestaltung, nach ihrem Sammlungskonzept und nach ihrem jeweiligen Auftrag geführt werden und somit über den nötigen Freiraum verfügen. Im Kulturverbund «solopool» besteht aber ein gutes Werkzeug, um den gemeinsamen Austausch zu pflegen und gemeinsame Projektewie beispielsweise die sehr erfolgreiche «Kulturnacht» zu organisieren. Kultur soll gelebt und nicht verwaltet, die finanziellen Mittel sollen für die Kultur und nicht für deren Administration ausgegeben werden.

Die sogenannten Zentrumslasten sind immer wieder ein Thema, also die Frage, wie umliegende Gemeinden, deren Bewohner die städtischen Kulturangebote nutzen, diese Kulturinstitutionen mitfinanzieren sollen. Wo steht die Stadt da aktuell?
Die neue Vereinbarung mit den Gemeinden der REPLA ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Ganz ausgeglichen und fair verteilt sind die Kosten damit natürlich noch nicht, aber dies wird wohl auch nie der Fall sein. Auf jeden Fall war es erfreulich zu sehen, dass die Gemeinden grundsätzlich anerkennen, dass auch sie von der Kultur in der Stadt profitieren, wie auch die Stadt von gewissen Leistungen der umliegenden Gemeinden profitiert.

Erneut ein Thema ist derzeit das Kulturengagement des Kantons. Dass er Kultur nur über den Lotteriefonds finanzieren lässt und nicht über das ordentliche Budget. Die Stadt Solothurn könnte da für ihre Institutionen – vom Alten Spital über das Kunstmuseum und besagte Film- bzw. Literaturtage bis zu Kulturnacht und Kulturfabrik Kofmehl – besonderes Interesse haben. Steht das auf Ihrer Agenda?
Seit Bestehen des modernen Kantons 1803 hat der Kanton die Initiative im Kulturbereich den Gemeinden überlassen. Selbstverständlich wäre es erwünscht und ein Bekenntnis des Kantons gegenüber der Kultur, wenn dessen Engagement nicht aus dem Lotteriefonds, sondern aus dem ordentlichen Budget finanziert würde. Es wäre dies ein klares Bekenntnis der kantonalen Politik für die Kultur. Die heutige Finanzierung aus dem Lotteriefonds hat eher den Charakter des «nice to have».

Grad brandaktuell steht die Nachtkultur im Fokus. Ist Partyende um 0.30 Uhr unter der Woche und 2 Uhr am Wochenende zu früh? Es stehen sich Baugesetz und Wirtschaftsgesetz, einmal mehr, im Weg. Es kann ja nicht sein, dass Veranstalter sich nicht mehr trauen Konzerte zu planen und das Nachtleben zum Erliegen kommt, weil sie jemandem zu laut sein könnten. Wie ist das zu lösen?
Dies ist ein typisch städtisches Thema. Hier prallen die Interessen der Partybetreiber und -besucher sowie die Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner aufeinander. Während auf gesamtschweizerischer Ebene zurzeit das Anliegen der Anwohnerschaft höher gewichtet wird, geht man in unserem Kanton eher in die andere Richtung: Längere Öffnungszeiten sollen den bereits bestehenden Betrieben gewährt werden, wogegen die Nachbarschaft Lärmklagen einreichen könnte. Das damit verbundene Risiko, die Öffnungszeiten wegen der strengen Lärmgrenzwerte nach kurzer Zeit wieder einschränken zu müssen, ist alles andere als ein Investitionsschutz.

Zum Schluss noch zwei persönlichere Fragen: Wie sieht eigentlich Ihr persönlicher Kulturkalender aus? Wo trifft man Sie an?
Ich nehme regelmässig an den verschiedensten Kulturveranstaltungen teil, sei es an Vernissagen im Kunstmuseum, im Naturmuseum oder im Blumenstein. Auch im Stadttheater und an den Veranstaltungen in der Zentralbibliothek bin ich regelmässig Gast, ebenso an den Veranstaltungen der verschiedensten Fördervereine. Auch Vernissagen privater Galerien besuche ich regelmässig bis gelegentlich. Dadurch erlebe ich die unglaubliche Vielfalt an kulturellen Anlässen in unserer Stadt, was mich immer wieder auf neue neugierig macht. Im vergangenen Monat Mai beispielsweise besuchte ich elf kulturelle Veranstaltungen.

Und was wäre, wenn es hier in der Stadt kein Kulturleben mehr gäbe? Kein Stadttheater, keine Museen, kein Kofmehl, keine Kleinkunst….
Das wäre für mich persönlich trostlos! Aber auch objektiv würde damit Solothurn viel von seiner nationalen Beachtung verlieren und vermutlich auch von seiner Attraktivität als Wohnstadt und als Standort von Firmen in der Stadt und in der Region.

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