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«Chante la vie, chante»

Knarrender Partkettboden im Kreuzsaal in Solothurn. Zusätzliche Stühle werden hereingetragen. «bocc‘ aperta», der Frauenchor, hat viele Fans; treue! Michel Fugain liefert den Titelsong zum Konzert: Chante!

Logisch, was hätten wir denn anderes erwartet? Als das Licht ausgeht, ziehen die rund 30 Frauen mit Handgepäck in den Saal ein, wortlos, ernst und stellen sich startklar in eine Kolonne, als kämen sie zur Passkontrolle. Vom ersten Ton weg wird klar: Die haben keine Anlaufschwierigkeiten. Ein lockerer Start, von Beginn weg sehr präzis und mit spontaner Freude und mit Ausstrahlung. Keine Spur von Nervosität, wie man sie gelegentlich hört, wenn Chöre mit versteinerten Mienen ausgelassene Fröhlichkeit besingen. Auch Bundespräsidenten sollen sich damit gelegentlich schwertun.

Die Lieder stammen aus allen Himmelsrichtungen, aber alle sind sie europäisch: Italien, Schottland, Irland, Finnland, Schweden und Türkei werden angeflogen. Mir wird klar: Würden weiter weg liegende Destinationen anvisiert, müssten die Frauen grössere Gepäckstücke mitschleppen. - Und wer macht das schon gern?

Am Akkordeon begleitet Priska Stampfli. Sie wirkt lange sehr ernst. Wenn sie wüsste, wie inspirierend ihre Weisen wirken, hätte sie ihr Strahlen, - das sie dem Publikum lange vorenthält – schon früher aufgesetzt.

Die Stimmung im Publikum steigt dann hörbar an, wenn Perkussion mit im Spiel ist wie beispielsweise in «Abballati», einer Tarantella, bei der im Publikum die Post abgeht. Davon hätte das Programm meiner Meinung nach noch mehr vertragen.

Renata Würsten – langjährige Leiterin des Chors – hat ihren Part und ihren Chor unspektakulär und mit viel Souplesse im Griff. Man schaut ihr förmlich auf die Fingerspitzen: Ob der Finger ausgestreckt oder gebogen ist, wird von den Sängerinnen registriert, aufgenommen und umgesetzt. Und das nicht militärisch zackig, - nein, da spielt auf beiden Seiten viel Charme mit!

Locker eingestreute literarische Kurztexte mit bisweilen philosophischer Tiefe verpassen dem Programm einen farbigen Akzent. Mona de la Rey rezitiert mit grossem Einfühlungsvermögen und ohne Pathos. Eine fröhlichere Note steuern zwei Akkordeonstücke bei, von denen das zweite – eine lüpfige Musette - zum Schlussgesang überleitet, den wir von Michel Fugain und seinem Big Bazar im Ohr haben: «Chante la vie, chante»: - könnte doch ein Lebensmotto sein! «bocc’aperta» hat den Mitreisenden, die ohne Koffer ins Kreuz gekommen sind, einen mitreissenden Abend geboten.

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